Empathie

Empathie ist die Fähigkeit, das innere Erleben einer anderen Person zu teilen. Das bedeutet, dass man zum einen die Gedanken und Gefühle eines Mitmenschen versteht (kognitive Empathie) und zum anderen emotional miterlebt oder mitempfindet (emotionale Empathie)

Verschiedene Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass die Schwierigkeiten eines autistischen Menschen im Sozialkontakt auf eine Beeinträchtigung der Empathiefähigkeit, bzw. des Emotionserkennens sowie auf Schwierigkeiten in der Verarbeitung eigener Gefühle zurückzuführen sind.

Für das Verständnis der sozialen und kommunikativen Welt eines autistischen Mitmenschen sowie für dessen angemessene Unterstützung ist es besonders wichtig, dass man sich tiefergehend mit der Empathiefähigkeit und ihren Komponenten beschäftigt.

Kognitive Empathie Das Verstehen, also das kognitive Entschlüsseln oder Dekodieren des emotionalen Erlebens einer anderen Person anhand des Gesichtsausdrucks, der Stimme/emotionalen Tonlage, anhand von Zeichen in Gestik oder Körperhaltung sowie anhand der gefühlsauslösenden Situation selbst bezeichnet man als kognitive Empathie.

Die kognitive Empathie hilft uns also zu erkennen und zu verstehen was eine andere Person in einer bestimmten Situation fühlt. Sie wird auch als affektive Theory of mind (ToM) bezeichnet. ToM allgemein ist die Fähigkeit, mentale Zustände anderer Menschen, also Gefühle, Bedürfnisse, Ideen, Absichten und Erwartungen durch Perspektivenübernahme zu erkennen

Emotionale Empathie Neben dem rein kognitiven Erkennen des Gefühls des anderen kann der emotionale Zustand einer anderen Person bei uns selbst ein Gefühl hervorrufen. Dieses emotionale Mitempfinden oder Mitfühlen des fremden Gefühls nennt man emotionale Empathie oder affektive Empathie. Bei negativen Gefühlen der anderen Person leidet man dementsprechend empathisch mit – man hat „Mitleid“ – bei positiven Gefühlen freut man sich mit der anderen Person.

Diese emotionale Reaktion auf den inneren Zustand eines anderen kann als eine Kombination aus Empathic Concern (“empathische Teilnahme”) und Personal Distress (“persönliche Belastung”) gesehen werden. Unter Empathic Concern wird die Tendenz verstanden, auf den anderen gerichtete Gefühle der Anteilnahme und des Mitgefühls zu empfinden. Personal Distress dagegen bezeichnet die Tendenz, beim Anblick fremden Unglücks auf sich selbst gerichtete Gefühle des Unwohlseins und der Ängstlichkeit zu erleben.

Damit die Komponente des positiven empathischen Mitempfindens im Sinne des Empathic Concerns die stressvolle Komponente überwiegt, muss man in der Lage sein, eine Unterscheidung zwischen der Perspektive der eigenen und der fremden Person vorzunehmen. Man muss also erkennen, dass die Ursache des eigenen Gefühls die Emotion des anderen ist. Nur so kann man mitempfinden und sich gleichzeitig von dem Zustand oder dem möglichen Leiden der anderen Person abgrenzen.

Damit dies möglich ist, braucht man wiederum die Fähigkeit, die eigenen Gefühle erkennen, verstehen und voneinander abgrenzen bzw. differenzieren zu können. Dementsprechend ist ein guter Umgang mit dem eigenen Emotionserleben die Grundlage eines positiven empathischen Mitempfindens und Handelns.

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