Unsere Forschung
Vom innovativen Konzept zur evidenzbasierten Wirksamkeit
Vom innovativen Konzept zur evidenzbasierten Wirksamkeit


Das Projekt Zirkus Empathico wurden 2013 von Isabel Dziobek und Simone Kirst an der Freien Universität Berlin initiiert. Inspiriert von ihren praktischen Erfahrungen in der Arbeit mit autistischen Kindern und langjährigem Engagement in der Autismusforschung entstand das Trainingskonzept. Die technische Entwicklung als Webapp konnte durch die Kooperation mit Prof. Dr. Ulrike Luke, Dr. Dietmar Zoerner und Jan Schütze aus dem Institut der Informatik der Universität Potsdam und dem freien Entwickler Simon Könnecke umgesetzt werden. UX und UI Design stammen aus der Feder von Annika Hamann. Nach dem Umzug an die Humboldt-Universität zu Berlin unterstützte das CMS Videostudie der Universität die Produktion des Video- und Audiomaterials. Der Schauspieler Lars Weström lieh seine Stimme der zentralen Spielfigur. Das Feedback von autistischen Kindern und deren Eltern sowie von autistischen Expert:innen wurde über Usabilitytetstungen und Befragungen einbezogen.
Finanziell wurde das Projekt unterstützt von der Stiftung Irene, der Berlin School of Mind and Brain und der Humboldt-Universität zu Berlin.





Eine randomisierte Kontrollgruppenstudie in Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit den Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie Augsburg und Wien
Wir haben von Januar 2016 bis April 2018 in Deutschland und Österreich die Wirksamkeit der Zirkus Empathico Intervention bei 82 autistischen Kindern im Alter von 5 – 10 Jahren untersucht. Unser sechswöchiges Training mit Zirkus Empathico fand unter Einbezug der Eltern als Tutor:innen der Kinder in deren häuslichen Umfeld statt.
Zur Untersuchung der Trainingseffekte haben wir vor und nach dem Training sowie drei Monate nach Trainingsende die sozio-emotionalen Kompetenzen der Teilnehmer:innen mit Fragebögen und Verhaltenstests erfasst und mit einer aktiven Kontrollgruppe verglichen. Diese Kontrollgruppe übte nicht-soziale Verhaltensweisen (u.a. Verkehrssicherheit) ebenso mit einer App unter Begleitung eines Elternteils.
Es zeigte sich, dass die Empathie und die Emotionserkennung der Kinder der Trainingsgruppe im Vergleich zu den Kindern der Kontrollgruppe nach dem sechswöchigen Training gestärkt war. Die Emotionsregulation und die Differenzierung und Benennung eigener Gefühle der Kinder war sogar langfristig verbessert. Das heißt, der Trainingseffekt war nicht nur direkt nach dem Training nachweisbar, sondern auch drei Monate später. Ebenso langfristig verbesserte sich das Sozialverhalten der Kinder der Interventionsgruppe im familiären Alltag – und auch in der Schule! Dies äußerte sich in einer nachhaltigen Verringerung der sozialen, mit Autismus assoziierten Charakteristika. Auch bestätigten viele Eltern, dass die Kinder individuell festgelegte Ziele erreicht haben. Eltern und Kinder beurteilten den Trainingserfolg als sehr positiv:
Einen spannenden Einblick in die Studie und ihre Erfolge gibt die arte-Xenius-Sendung „Empathie“. Hier finden Sie das Video.
Die Studienergebnisse wurden 2022 in der internationalen Fachzeitschrift Behaviour Research and Therapy veröffentlicht.

Auch Kinder ohne einen besondern Entwicklungsbedarf können von einer frühzeitigen Förderung sozio-emotionalen Kompetenzen enorm profitieren. Eine präventive Stärkung dieser Kompetenzen kann Verhaltensauffälligkeiten vorbeugen, sich positiv auf das soziale Miteinander auswirken und die allgemeine Lebensqualität verbessern. Dies hat kann sich insgesamt positiv auf den weiteren sozialen, schulischen und beruflichen Lebensweg eines Kindes auswirken.
In unserer zweiten Studie (Oktober 2018 – Juli 2020) haben wir dementsprechend untersucht, ob ein sechswöchiges digitales Kompetenztraining mit Zirkus Empathico geeignet ist, die sozialen und emotionalen Kompetenzen von Vorschulkindern zu stärken. An der randomisiert kontrollierten Studie nahmen 74 nicht-autistische Kinder zwischen 4 und 6 Jahren teil.
Im Vergleich zu der Kontrollgruppe, welche ein digitales Trainining sprachlicher Kompenzen erhielt, zeigten die Teilnehmer:innen der Zirkus Empathico Gruppe eine Zunahme der elternbeurteilten Empathie, der Emotionserkennung und des prosozialen Verhaltens sowie eine Verringerung von Verhaltensproblemen. Auch die erhöhte neuronale Sensibilität für glückliche Gesichtsausdrücke im Vergleich zu wütenden und neutralen Gesichtsausdrücken (gemessen anhand von ereigniskorrelierten Potenzialen; EEG) deutet auf ein vielversprechendes Ergebnis hin.
Die Ergebnisse wurden 2023 in der internationalen Fachzeitschrift Science of Learning veröffentlicht.

Die kostenlose erste Version von Zirkus Empathico wird bereits von vielen Fachkräften und Familien in Deutschland, Österreich und der Schweiz genutzt. 2025 erhielt Dr. Simone Kirst für ihre Forschung zu Zirkus Empathico den Weber-Bosch-Preis der Wissenschaftlichen Gesellschaft Autismus-Spektrum (WGAS e.V.), welcher besondere Verdienste in der Autismus-Forschung auszeichnet.
Die Erfahrungen mit Zirkus Empathico und die Ergebnisse unserer Studien inspirierten uns zudem zu unserem Roboterprojekt “ERIK” und motivierten 2022 unser neustes Forschungsprojekt DIVAN KIDS.
Seit 2023 ist Zirkus Empathico Teil von DIVAN KIDS. Die neu entwickelte, technisch modernisierte Version wird ab 2025 in Studien eingesetzt und zeitnah der Praxis zur Verfügung gestellt.
Unser Ziel ist, dass möglichst viele Kinder von Zirkus Empathico profitieren – egal ob mit einer Besonderheit wie zum Beispiel Autismus, ADHS oder Soziale Angst – oder ohne!
Hier erfahren Sie mehr zu unseren Zielgruppen.